So, 08. Nov. 2026
|
Zeitreise
Angepinnter BeitragWo Burgdorf noch seinen Stammtisch hatte
Eine Zeitreise durch die Gaststätten, Hotels und Ausflugslokale der Auestadt
Gaststätten waren früher weit mehr als Orte, an denen Menschen eine Mahlzeit einnahmen oder ein Bier tranken. Sie bildeten Treffpunkte für Vereine, Schauplätze für Familienfeiern und Mittelpunkte des geselligen Lebens. Hier diskutierten die Burgdorfer über das aktuelle Stadtgeschehen, pflegten Freundschaften und trafen sich regelmäßig am Stammtisch. Manche Häuser genossen einen weit über die Stadtgrenzen hinausreichenden Ruf. Andere prägten vor allem das Leben in ihrer unmittelbaren Nachbarschaft. Ein Blick in die Vergangenheit erzählt in unserer 26. Ausgabe der "Zeitreise" ohne Anspruch auf Vollständigkeit von einer Gastronomielandschaft, die sich im Laufe der Jahrzehnte grundlegend verändert hat.
Der Ratskeller und seine wechselvolle Geschichte

Der Ratskeller an der Marktstraße/Ecke Poststraße
Zu den traditionsreichen Adressen zählte der Ratskeller an der Ecke Marktstraße/Poststraße. Das Gebäude beherbergte zunächst die Gaststätte „Zum Kronprinzen“, die später unter dem Namen Ratskeller Bekannheit erlangte. Ein Foto aus dem Jahr 1964 erinnert an das Gebäude und seine gastronomische Vergangenheit. Am 3. Januar 1965 verabschiedeten Gäste die langjährige Wirtin Hedi Rühmann. Später erwarb die Stadt das Haus und ließ es abreißen.
Einen weiteren Ratskeller gab es an der Marktstraße 55, dort, wo heute das Rathaus I seinen Platz hat. Nach dem Erwerb des Grundstücks im Jahr 1868 führte Friedrich Wilkens dort einen Gasthof. Später übernahm Friedrich Knackstedt den Betrieb. Die Stadt kaufte das Gebäude 1920 zurück.

Der Rathskeller im heutigen Rathaus I
Gasthaus Kelle: ein Stück Burgdorfer Fachwerkgeschichte
Ein besonders bekanntes Kapitel der Burgdorfer Gastronomiegeschichte verbindet sich mit dem Gasthaus Kelle in der Marktstraße 6. Johann Friedrich Kelle errichtete das Fachwerkhaus 1810, kurz nach dem großen Stadtbrand von 1809. Um 1835 nahm die Gaststätte ihren Betrieb auf und entwickelte sich über Generationen zu einer festen Adresse im Stadtleben.

Gasthaus Kelle
Leni Kelle und später die Familie Gieseke prägten die Geschichte des Hauses. 1966 übernahm die Wittinger Brauerei den Betrieb im Rahmen einer Verpachtung. Im März 1991 schloss das Gasthaus endgültig seine Türen. Das historische Fachwerkgebäude erinnert bis heute an die lange Wirtshaustradition an diesem Standort.
„Zum Brenner“: Gaststätte und Schnapsbrennerei
Auch an der Poststraße gab es eine traditionsreiche Adresse: das Gasthaus „Zum Brenner“. Wilhelm Bleckwenn verband dort eine Gaststätte mit einer eigenen Schnapsbrennerei. 1905 übernahm Hermann Wietfeldt das Lokal. Später führte Horst Wietfeldt die Familientradition fort. Die Gaststätte gehörte lange zum vertrauten Bild der Burgdorfer Innenstadt.

Gasthaus Wietfeldt
Das Bahnhofshotel: ein Haus für Reisende und Burgdorfer
Mit dem Eisenbahnanschluss erhielt Burgdorf 1845 eine neue Verbindung zur Außenwelt. Auch die Gastronomie am Bahnhof entwickelte sich. Louis Klauke errichtete 1870 eine Gaststätte am Bahnhof. Sein Sohn Albert baute den Betrieb später zu einem Bahnhofshotel aus. Eine historische Anzeige aus den Jahren 1894/95 versprach den Gästen „Ausschank von Münchener Franziskaner Bräu“, „gutes Logis“ und einen „guten Mittagstisch“.
Das Haus empfing nicht nur Reisende, sondern diente auch den Burgdorfern als Treffpunkt. Im Januar 1974 verschwand das Gebäude aus dem Stadtbild.

Bahnhofshotel
Haases Gasthaus: eine Familientradition seit 1877
Eine besondere Geschichte erzählt Haases Gasthaus „Zur Erholung“ an der Lehrter Straße in Ahrbeck. Seine Wurzeln reichen sogar noch weiter zurück: Das Anwesen diente ursprünglich als Jagdhütte der Herzöge zu Braunschweig-Lüneburg. Im April 1877 erwarb Heinrich Haase das Lokal und entwickelte es zu einem beliebten Ausflugsziel. Ein großzügiger Kaffeegarten lockte zahlreiche Gäste aus Burgdorf und der Umgebung an.
Über fünf Generationen hinweg blieb das Gasthaus in Familienhand. Familienfeiern, Vereinsveranstaltungen und gesellige Zusammenkünfte prägten seinen Ruf. Auch der Burgdorfer Tennissport verbindet eine besondere Geschichte mit dem Haus: Im September 1926 pachteten die Gründer des TC TSV Burgdorf ein Grundstück unmittelbar hinter der Gaststätte. Dort entstand die Tennisanlage des Vereins.
Dass Haases Gasthaus seine lange Tradition bis heute fortsetzt, macht es zu einer Besonderheit in der Burgdorfer Gastronomielandschaft. Seit 1877 befindet sich das Haus ununterbrochen in Familienbesitz. Damit erzählt es von einer Gastlichkeit, die Generationen überdauert hat.

Gasthaus Haase
Ausflugslokale vor den Toren der Stadt
Nicht nur die Innenstadt lockte mit gastronomischen Angeboten. Auch am Stadtrand und in den umliegenden Ortschaften fanden die Burgdorfer beliebte Ziele für einen Ausflug. Die Moormühle bei Beinhorn zählte dazu. Historische Aufnahmen erinnern an das Ausflugslokal, das Gäste in ländlicher Umgebung empfing.

Moormühle
Der 1912 eröffnete Landgasthof Voltmer in Ramlingen und das 1902 zunächst als Schankwirtschaft gegründete Gasthaus Bähre in Ehlershausen gehören auch heute noch zu den Adressen, die Ausflügler aus Burgdorf und der Umgebung anziehen. Solche Lokale verbinden Gastronomie mit einem Aufenthalt im Grünen und bieten Gelegenheit, dem Alltag für einige Stunden zu entfliehen.
Gaststätten als Orte der Begegnung
Die frühere Burgdorfer Gastronomieszene lebte von ihrer Vielfalt. Neben den großen Traditionshäusern prägten kleinere Lokale, Cafés und Ausflugsgaststätten das Stadtbild. Das Café Baumgarten in der Poststraße 3 etwa lockte mit seiner berühmten „Eisbombe glacé“ zahlreiche Gäste an. 1976 schloss das Café seine Türen.

Café Baumgarten
Auch die Vereinsgeschichte der Stadt ist eng mit Gaststätten verbunden. In ihren Räumen trafen sich Mitglieder, bereiteten Veranstaltungen vor und schmiedeten Pläne. So spielte die Gastronomie auch bei der Gründung des Verkehrs- und Verschönerungs-Vereins Burgdorf eine Rolle. Am 15. Februar 1928 kamen 36 Bürger im Café Union (später: Stadtgarten) in der Hannoverschen Neustadt zusammen, um den Verein aus der Taufe zu heben. Gaststätten boten für solche Zusammenkünfte den passenden Rahmen.
Viele der einst bekannten Namen sind heute nur noch auf alten Fotografien, Ansichtskarten und in Erinnerungen präsent. Gebäude verschwanden, Betreiber wechselten, und neue gastronomische Konzepte traten an ihre Stelle. Doch die Geschichten hinter den früheren Wirtshäusern erzählen weiterhin von einer Stadt, in der Gaststätten wichtige Orte des Miteinanders waren. Haases Gasthaus, das Gasthaus Bähre und der Landgasthof Voltmer führen diese Tradition bis heute fort.

Landgasthaus Voltmer

_____________________________________________________
Fotos weiterer ehemaliger Burgdorfer Gaststätten und Cafés:

Die Stadiongaststätte im Jahr 1970

Gaststätte Birkhahn 1956 (Schillerslager Straße 20)

Café Viktoria 1926 (Poststraße 10)

Gaststätte Zum Mond 1960er Jahre (Marktstraße 65)

Gasthaus Zum Stadtwappen 1960er Jahre (Hannoversche Neustadt 42)

Pisewitt´s Ruh (Uetzer Straße)