Do, 02. Apr. 2026
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Zeitreise
Angepinnter BeitragHochwasser in Burgdorf
Im heutigen 20. Teil der "Zeitreise" geht es um ein massives Unwetter, das am Montag, 28. Mai 1984, zu Hochwasser in Burgdorf und einem
Dauereinsatz der Feuerwehr führte:
Wetterkapriolen mit massiven Auswirkungen haben Burgdorf immer wieder heimgesucht — so auch im Mai 1984. Dieser präsentiert sich mit einer durchschnittlichen Sonnenscheindauer von rund vier Stunden am Tag und mittleren Temperaturen von 12° C nicht gerade als der Wonnemonat. Doch was der Nordwestwind am Montag, 28. Mai, nach Burgdorf treibt, hat niemand erwartet.
Unwetter mit weitreichenden Folgen
Vom späten Vormittag an bringen dunkle Wolken Gewitter und starke Regenfälle in unsere Stadt. Die herabstürzenden Wassermassen überfordern schnell die Abwasserkanäle. In der Hannoverschen Neustadt und der Marktstraße laufen Keller voll. Im Bereich vom „Schwarzen Herzog“ bis zum Rubensplatz steht das Wasser teilweise bis zu einem halben Meter hoch in den Straßen. Gummistiefel sind an diesem Tag das angesagte Schuhwerk. Autos werden stehen gelassen. Der Vorplatz am Schloss ist überschwemmt. Das Schloss selbst ist nur über den Hintereingang zu erreichen. Die Feuerwehr ist mit ihren Pumpen pausenlos im Einsatz. Die Regenmenge, die in wenigen Stunden auf die Stadt fällt, verteilt sich sonst auf sechs Frühlingswochen.

Schon früher kommen die Abwasserkanäle in Burgdorf an ihre Grenzen:
Der 7. Juni 1964, ein Sonntag, ist ein heißer Tag. Fast 30 Grad im Schatten werden gemessen, Ein schweres Gewitter entlädt sich über der Stadt.
Die unterirdischen Kanäle können die Wassermenge, die aus den dunklen Wolken fällt, nicht mehr aufnehmen. Schmutzwasser kommt fontänenartig aus den Gullys hervorgeschossen. Autos stehen bis zu den Trittbrettern im dreckigen Wasser.
Wieder sind die Bewohner in der Hannoverschen Neustadt am stärksten betroffen. Die Feuerwehr pumpt die übel riechende Brühe aus den Kellern. Auch in die Häuser in der Mittelstraße dringt das Wasser. Hier befindet sich im Anbau der Stadtsparkasse der neu eingerichtete Stadtarchivkeller. Mühsam müssen viele wertvolle Dokumente nach der Bergung getrocknet werden.
Ein bekanntes Phänomen
Hochwasser ist in Burgdorf ein bekanntes Phänomen. Seit Jahrhunderten tritt die Aue nach schweren Regenfällen oder bei Tauwetter über ihre Ufer. Die Auewiesen und die Keller der nahe gelegenen Häuser werden dabei regelmäßig überflutet. So weiß das Burgdorfer Kreisblatt am 21. Januar 1918 zu berichten, das die Aue nach Tauwetter und Regenfällen den höchsten Hochwasserstand seit 30 Jahren erreicht hat. Gegen das Wasser in den vollgelaufenen Kellern setzt die Feuerwehr ihre noch handbedienten Pumpen ein, um die dort gelagerten Vorräte zu retten.
Besonders betroffen sind die Dammgartenstraße und der Kleine Brückendamm. Auch der heutige Schützenplatz verwandelt sich regelmäßig in einen See.

Das Auehochwasser 1918, vom Kleinen Brückendamm aus gesehen — das Überschwemmungsgebiet ist der heutige Schützenplatz
Schlittschuhläufer nutzen überflutete Wiesen
Des einen Leid kann die Freud des anderen sein. Nach einem Frosteinbruch werden die überfluteten Wiesen von Steinwedel bis Dachtmissen im Januar 1926 sehr zur Freude aller Schlittschuhläufer zu einer weiten Eisfläche. Im Juli des gleichen Jahres nutzen der Burgdorfer Schwimm-Verein und der SV Viktoria das Hochwasser nach starken Gewitterregen zu Schwimmwettkämpfen.
Die immer wieder über die Ufer tretende Aue richtet nicht nur an den Gebäuden in der Stadt erhebliche Schäden an. Die landwirtschaftlich genutzten Flächen in der Region stehen oft monatelang unter Wasser. Zum Teil entsteht eine Sumpfflora.
Schon 1864 gibt es Pläne, den Lauf der Aue zu regulieren. Es entsteht die „Correctionsgesellschaft Alte Aue“, deren Arbeit allerdings im Laufe der folgenden Jahrzehnte sprichwörtlich im Sande verläuft. Erst in den niederschlagsreichen Jahren 1926/27 fordert die Korrektionsgesellschaft die öffentliche Wasserbaubehörde zum Eingreifen auf. Nach Plänen des Kulturbauamtes in Celle bekommt die Alte Aue in den Jahren 1928/29 einen profilmäßigen Ausbau. Überschwemmungen der Grünflächen sollen der Vergangenheit angehören.
Das die Natur da noch ein Wörtchen mitreden möchte, zeigt sie u.a. 1966. Im ganzen Auetal von Lehrte bis Obershagen kommt es bei einsetzendem Tauwetter im Februar zu einer Überflutung. Wieder muss die Feuerwehr das Wasser aus den Kellern der Aue nahen Häuser abpumpen.