Di, 15. Sep. 2026
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Zeitreise
Ein Maler findet eine neue Heimat in Burgdorf
Otto Lang-Wollin lebte von 1945 bis 1958 in der Auestadt und hielt Burgdorfer Motive auf der Leinwand fest

Die 25. Ausgabe der "Zeitreise" richtet die Aufmerksamkeit auf den Maler Otto Lang-Wollin.
Manchmal erzählt ein Gemälde mehr über eine Stadt als ein Geschichtsbuch. Es bewahrt Gebäude, Landschaften und Stimmungen, die längst verschwunden sind – und zugleich den persönlichen Blick des Menschen, der sie malte.
Zu den Künstlern, die Burgdorf auf diese Weise festhielten, gehört Otto Lang-Wollin. Der Landschafts- und Marinemaler lebte nach dem Zweiten Weltkrieg von 1945 bis 1958 in Burgdorf. Noch Jahre nach seinem Tod erinnerte man sich in der Auestadt an den Maler und sein Werk.
Von Kassel an die pommersche Küste
Otto Lang kam am 12. Januar 1881 in Kassel zur Welt. Dort besuchte er zunächst die Kunstgewerbeschule und setzte seine künstlerische Ausbildung später in Berlin fort. Reisen führten ihn unter anderem nach Schweden und an die pommersche Ostseeküste.
Besonders die Insel Wollin faszinierte den jungen Künstler. 1902 erhielt er dort eine Anstellung als Zeichenlehrer. Die Landschaft ließ ihn nicht mehr los – so sehr, dass er den Namen Wollin schließlich mit seinem eigenen Namen verband: Aus Otto Lang wurde Otto Lang-Wollin.
Die pommersche Landschaft prägte sein künstlerisches Leben. Häfen, Fischerboote, Küstenstädte, Wasserflächen und das wechselnde Licht gehören zu seinen bevorzugten Motiven. Seine Bilder zeigen häufig alte Städte am Wasser und maritime Landschaften in einer farbkräftigen, impressionistisch geprägten Malweise.
Bereits 1913 fand sein Werk in einer Kunstkritik besondere Beachtung. Der „Cicerone“ hob unter seinen Landschaftsbildern vor allem eine Darstellung des Pommerschen Haffs hervor.
Ein angesehener Künstler in Stettin
Lang-Wollin gehörte zu den wichtigen Künstlern des pommerschen Kulturlebens. Er zählte zu den Mitbegründern des Pommerschen Künstlerbundes und nahm über viele Jahre an dessen Ausstellungen teil. 1931 übernahm er ein Lehramt am König-Wilhelm-Gymnasium in Stettin.
Auch außerhalb Pommerns fanden seine Arbeiten Beachtung. 1913 präsentierte er seine Werke bei der Weltausstellung in Gent. Seine Motive erschienen außerdem in Publikationen über Pommern. Zu seinen Arbeiten zählen unter anderem Ansichten von Wollin und Stettin sowie Darstellungen der pommerschen Küstenlandschaft.
Sein Künstlername erinnert noch heute an jene Landschaft, die für ihn über Jahrzehnte zur künstlerischen Heimat geworden war.
1945 führt sein Weg nach Burgdorf
Dann veränderte der Zweite Weltkrieg alles.
Nach dem Verlust seiner pommerschen Heimat kam Otto Lang-Wollin 1945 nach Burgdorf. Für den bereits 64-jährigen Künstler begann damit ein neuer Lebensabschnitt. Die Quellen beschreiben Burgdorf als seinen Wohnort bis 1958. Gleichzeitig malte er weiter und hielt weiterhin Motive aus Pommern aus der Erinnerung fest.
Doch auch Burgdorf selbst fand Eingang in sein Werk.
Die Stadtsparkassen-Chronik berichtet Jahrzehnte später ausdrücklich von zahlreichen Burgdorfer Motiven. Besonders ein Gemälde mit der damals noch vorhandenen fünfflügeligen Bockwindmühle fand bei den Burgdorfern großen Anklang. Die Chronik berichtet sogar, Lang-Wollin habe diese Mühle „so geliebt“.
75 Bilder erinnern an den Maler
Wie sehr Lang-Wollin in Burgdorf heimisch geworden war, zeigte sich zehn Jahre nach seinem Tod.
Am 20. November 1968 eröffnete in der Kundenhalle der Stadtsparkasse Burgdorf eine Gedächtnisausstellung. 75 Gemälde des Künstlers waren zu sehen. Aus San Remo, Berlin, verschiedenen Orten Niedersachsens und aus Burgdorf kamen Familienangehörige und Freunde zusammen.
Der Celler Maler Paul Baak, der mit Lang-Wollin befreundet gewesen war, führte in die Ausstellung ein. Er würdigte Lang-Wollins Lebenswerk und beschrieb den Wechsel des Lichts als einen entscheidenden Reiz seiner Malerei.
Besonders großen Anklang fanden die Burgdorfer Motive. Die Erinnerung an den Maler lebte damit auch in seiner Wahlheimat weiter. Einige Werke stellte die Familie der Stadtsparkasse damals als Leihgaben zur Verfügung.
Burgdorf aus den Augen eines Malers
Otto Lang-Wollin starb 1958. Nach dem Tod seiner Ehefrau zog er zu seinem Sohn nach San Remo, wo er ebenfalls 1958 starb.
Seine Jahre in Burgdorf bilden damit nur einen vergleichsweise kurzen Abschnitt in seinem langen Künstlerleben. Für die Stadtgeschichte besitzen sie dennoch einen besonderen Wert.
Denn Lang-Wollin kam nicht als junger Künstler nach Burgdorf, der hier seine Karriere begann. Er brachte bereits ein erfülltes Malerleben mit. Er kannte die pommersche Küste, die Häfen und alten Städte, hatte als Lehrer und Künstler in Stettin gearbeitet und sich über Jahrzehnte mit Landschaft und Licht beschäftigt.
In Burgdorf fand dieser Maler eine neue Heimat – und Burgdorf fand in ihm einen künstlerischen Chronisten.
Seine Bilder erinnern daran, dass Stadtgeschichte nicht nur in Urkunden, Fotografien und Chroniken steckt. Manchmal liegt sie auch auf einer Leinwand: in einem vertrauten Gebäude, einer Mühle, einem Stück Landschaft oder im Licht eines längst vergangenen Tages.
Otto Lang-Wollin und Burgdorf – auf einen Blick
1881: Geburt in Kassel
1902: Zeichenlehrer auf der Insel Wollin
1913: Teilnahme an der Weltausstellung in Gent
1916: Mitbegründer des Pommerschen Künstlerbundes
1931: Lehramt am König-Wilhelm-Gymnasium in Stettin
1945: Übersiedlung nach Burgdorf
1945–1958: Wohn- und Wirkungszeit in Burgdorf
1958: Tod von Otto Lang-Wollin
1968: Gedächtnisausstellung mit 75 Werken in der Stadtsparkasse Burgdorf