So, 14. Jun. 2026
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Zeitreise
Angepinnter BeitragDie Lampenmühle
Im 22. Teil der "Zeitreise" richten wir die Aufmerksamkeit auf die ehemalige Lampenmühle in der Friederikenstraße.
Das Baujahr der Lampenmühle an der Friederikenstraße, die damals östlich außerhalb der Burgdorfer Stadtmauern steht, ist nicht bekannt. Die erste Urkunde, die die an der Aue liegende Wassermühle erwähnt, stammt aus dem Jahre 1448. In diesem Jahr gibt Herzog Friedrich von Lüneburg dem Müller Hans Redecke die Mühle in Erbpacht. Ihm folgt sein Sohn Dietrich Redecke. Nach seinem Tod heiratet seine Witwe den Müller Lampen Schrader. „Lampen“ ist vermutlich abgeleitet von dem Vornamen „Lampert“. In der zweiten Hildesheimer Stiftsfehde brennt die Mühle 1519 ab. Der Müller Lampen Schrader baut die Mühle wieder auf. Aus dieser Zeit stammt die Bezeichnung „Lampenmühle“. In den nächsten drei Jahrhunderten gibt es zahlreiche Besitzerwechsel zu verzeichnen. Die seit 1897 von dem Braunschweiger Müllermeister Albert Henkel betriebene Mühle arbeitet noch bis 1925, angetrieben von einem Petroleummotor und schließt dann endgültig. Seine 1909 in einer Scheune im Westflügel des Gebäudes eröffnete Backstube betreibt Henkel bis 1939 weiter.

Die Lampenmühle im Jahr 1919
Neues Jugendheim
Schulrat Busse gründet 1927 zusammen mit einigen Lehrern eine Turnschule für Kinder. Sie bietet orthopädisches Turnen und Gymnastik an. Die Städtischen Kollegien überlassen der Turnschule den nicht mehr benutzen Mühlenraum der Lampenmühle. Die Turnschule baut diesen Raum in Eigenleistung zu einem Jugendheim aus, der auch anderen Jugendgruppen zur Verfügung steht
Volks- und Jugendbücherei
Im Januar 1929 beschließen die Städtischen Kollegien, in der Lampenmühle eine Volks- und Jugendbücherei mit zunächst 1.000 Bänden einzurichten. Die Betreuung der Bücherei übernimmt der Lehrer Walter Honig, der aber nur wenige Monate später Burgdorf verlässt. Lehrer Erich Meyer ist sein Nachfolger. Ab Januar 1931 stellt die Stadt Burgdorf der Volksbücherei einen besser geeigneten Raum im Tiefgeschoss der Mittelschule zur Verfügung.

Mitarbeiterinnen der Volks- und Jugendbücherei im Jahr 1929
Treffpunkt der örtlichen NS-Jugendorganisationen
In der ersten Sitzung des 1933 neu gewählten und jetzt von den Nationalsozialisten dominierten Bürgervorsteherkollegiums im April 1933 stellt der neue Bürgervorsteherworthalter August Gieseke den Antrag, das Städtische Jugendheim Lampenmühle sofort für alle marxistischen Jugendgruppen zu sperren. Der Magistrat vollzieht diesen Beschluss schon zwei Tage später. Die Jugendorganisationen der neuen Machthaber, die Hitlerjugend und das Jungvolk, belegen das Gebäude und treffen sich bis 1945 regelmäßig in der ehemaligen Mühle zu Heimabenden und Schulungsveranstaltungen.
Städtischer Kinderhort
Nach Kriegsende gestattet die Britische Militärregierung den neu gegründeten Jugendgruppen, sich wieder in der Lampenmühle zu treffen. Ab 1946 befindet sich auch der Städtische Kinderhort in der Lampenmühle. Unter der Leitung von Emmy Panzer werden 100 Kinder im Alter von drei bis zwölf Jahren betreut. Der Kinderhort kann erst am 30. Juni 1958 in sein früheres und nun renoviertes Haus in der Gartenstraße 15 zurückkehren. Den Bodenraum über der Tischlerwerkstatt baut die Stadtverwaltung – veranlasst durch die große Wohnungsnot - im Jahre 1949 zu einer Kleinwohnung aus.

Der städtische Kinderhort 1952
Holzmannsche Baracke vor der Lampenmühle
Die Mittelschule benötigt 1950 dringend die beiden Klassenräume, die bisher von der Prinzhornschule genutzt werden. Die Stadt Burgdorf kauft deshalb die Holzmannsche Baracke an der Friederikenstraße (vor der Lampenmühle). Am 27. Juni 1950 ziehen die Schüler der Prinzhornschule (bis 1961) und der Berufsschule (bis 1959) hier ein. Die Sonderschule erhält drei Klassenräume und einen kleinen Werkraum, in dem sie auch die Lehrmittel unterstellt. In der Holzmannschen Baracke treffen sich am 9. März 1956 Hans Neuse und 14 gleichgesinnte Männer zur Gründung eines Ortsvereins des Technischen Hilfswerkes (THW). Die nächsten fünf Jahrzehnte nutzen das THW und das DRK die Räumlichkeiten. Nach der Errichtung einer neuen Unterkunft an der Straße Vor dem Celler Tor in direkter Nachbarschaft zur Feuerwehr beendet das THW im Oktober 2006 die Nutzung der ehemaligen Holzmannschen Baracke vor der Lampenmühle.

Holzmannsche Baracke