Di, 03. Feb. 2026
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Zeitreise
Bomben auf Burgdorf – 24. Februar und 7. April 1945 –

Das Amtsgericht nach dem Bombenangriff vom 24. Februar 1945
Im 19. Teil der "Zeitreise" geht es um die verheerenden Bombenangriffe, unter denen Burgdorf im letzten Kriegsjahr 1945 zu leiden hatte.
Historische Einordnung
Als der Zweite Weltkrieg im Winter 1944/45 seinem Ende entgegenging, erreichte der Luftkrieg auch Orte, die lange Zeit abseits der großen Frontlinien gelegen hatten. Während sich die alliierten Bomberverbände zunehmend auf Verkehrsknotenpunkte, militärische Einrichtungen und Städte im norddeutschen Raum konzentrierten, gerieten nun auch kleinere Städte ins Visier, die zuvor nur am Rande betroffen gewesen waren.
Burgdorf galt lange nicht als vorrangiges Ziel. Die vorhandenen militärischen Einrichtungen erschienen aus heutiger Sicht begrenzt, und dennoch rückte die Stadt im letzten Kriegsjahr unentrinnbar in den Strudel des Luftkrieges. Mit zunehmender Intensität der alliierten Angriffe stieg auch hier die Bedrohung für die Zivilbevölkerung – begleitet von Sirenenalarm, nächtlichen Überflügen und einer allgegenwärtigen Unsicherheit.
Der Bombenangriff vom 24. Februar 1945 markierte einen tiefen Einschnitt in der Geschichte Burgdorfs. Er zerstörte nicht nur Gebäude und Straßenzüge, sondern riss zahlreiche Menschen aus ihrem Leben und hinterließ tiefe Spuren im kollektiven Gedächtnis der Stadt. Zeitgenössische Berichte, kirchliche Chroniken und persönliche Erinnerungen machen deutlich, wie unvermittelt der Krieg an diesem Tag mitten in den Alltag einbrach.
Die folgende Darstellung erinnert an die Ereignisse jener Wochen und Tage – nicht als bloße Abfolge von Fakten, sondern als Mahnung an die Zerbrechlichkeit des Friedens und an das Leid, das Krieg über eine Stadt und ihre Menschen bringen kann.
Seit Januar 1945 heulten in Burgdorf regelmäßig jeden Abend und oft auch tagsüber die Sirenen. Große Bomberverbände überflogen unsere Stadt in Richtung Berlin. Bei einzelnen Bombenabwürfen und gelegentlichen Tieffliegerangriffen entstanden nur Sachschäden. Mit einem konzentrierten Angriff auf Burgdorf rechnete – so Pastor Friedrich Möller in der von ihm geschriebenen Kirchenchronik – niemand. Die Flakstellung am Schießstand, die Flakleitstelle gegenüber der Molkerei und die Unterkünfte der Feuerschutzpolizei an der Sorgenser Straße galten vielen Burgdorfern nicht als kriegswichtig.
Der Morgen des 24. Februar 1945
Der 24. Februar 1945, ein Sonnabend, schien ein schöner Tag zu werden. In den Gärten zeigte sich zaghaft das erste Grün, der nahende Frühling kündigte sich an. Um 11.45 Uhr gab es – wie an vielen Tagen zuvor – Fliegeralarm. Einzelne Flugzeuge tauchten aus den Wolken auf und verschwanden wieder. Besorgniserregend erschien das zunächst nicht. Dennoch suchten viele Burgdorfer behelfsmäßige Luftschutzkeller, öffentliche Gebäude oder die bereits angelegten Splittergräben auf. Statt der erwarteten Entwarnung kreuzten jedoch gegen 13.00 Uhr mehrere Flugzeuge über der Stadt.
Die ersten Bomben fallen
Die ersten Bomben fielen im Langen Mühlenfeld, in der Arndtstraße, Friederikenstraße, Grenzstraße und den angrenzenden Straßen. Eine Sprengbombe, die neben der katholischen Kirche niederging, verursachte Dach- und Fensterschäden. Pastor Alfons Padberg schrieb dazu:
„Wegen der sämtlich zerstörten Fenster ist zwar ziemlich Zugluft in der Kirche. Ein halbes Stündchen (während der Messe) werden wir das aber wohl ertragen können.“
Im Erdbunker der Familie Kanth
Johannes Kanth hatte in seinem Garten einen Erdbunker errichtet. Seine Tochter Dietgard Brüggemann schildert eindrücklich die dramatischen Minuten während des Bombenangriffs, den Verlust von Bewusstsein, das Beben des Bunkers und die Rettung der Familie durch den selbst gebauten Schutzraum. Neun Menschen überlebten dort – während andere unter den Trümmern der Häuser starben.
Zerstörung ganzer Straßenzüge
Die meisten der bis zu 500 Kilogramm schweren Sprengbomben fielen in die Gärten und Wiesen zwischen Friederikenstraße und Bleiche. Pastor Möller verglich das Gelände mit dem Schlachtfeld von Verdun. Weitere Bomben trafen die Post- und Braunschweiger Straße. Ein seltenes Foto dokumentiert die schweren Schäden an den Häusern Nr. 19 bis 23, verursacht durch die Druckwelle einer auf der gegenüberliegenden Straßenseite niedergegangenen Bombe.
Treffer in der Innenstadt und Rettung in letzter Minute
In der Sackstraße und auf dem Wall hinterließen Bomben tiefe Krater. Eine zerstörte den Eingangsbereich des Amtsgerichts. Zwei schwere Bomben, die Scheune und Garten des Pfarrhauses am Spittaplatz trafen, ließen das Fachwerkhaus von Pastor Möller einstürzen. Nur durch das rechtzeitige Eingreifen von Helfern konnte die Familie aus dem Keller gerettet werden – wenige Minuten vor Eintritt lebensbedrohlichen Sauerstoffmangels.
Schäden an Kirche und Wohnhäusern
Weitere Bomben schlugen im Garten des Superintendenten und auf dem Hof eines Handwerksbetriebs an der Marktstraße ein. Die Kirche bot einen trostlosen Anblick: zerstörte Fenster, Glassplitter und Trümmer im Kirchenschiff. Auch angrenzende Wohnhäuser wurden beschädigt. Zeitzeugenberichte schildern den Staub, die Verwirrung und das Ausmaß der Zerstörung.
Der schwärzeste Tag seit dem Stadtbrand von 1809
Pastor Möller bezeichnete den 24. Februar 1945 als den schwärzesten Tag Burgdorfs seit dem großen Brand von 1809. Zwei Tage später waren alle Toten geborgen. Insgesamt 30 Frauen, Männer und Kinder verloren ihr Leben, die meisten von ihnen in der Friederiken- und Arndtstraße.
Opfer in der Arndtstraße
Besonders tragisch war der Treffer auf das Haus Arndtstraße 5. Mehrere Hausbewohner starben im als Luftschutzraum ausgewiesenen Keller. Weitere Familienmitglieder überlebten schwer verletzt. Zeitgenössische Tagebuchaufzeichnungen berichten eindringlich von den Szenen im Lazarett.
Bombentreffer auf Bauernhöfen
Auch landwirtschaftliche Anwesen wurden schwer getroffen. Auf dem Hof von Emil Konerding in der Friederikenstraße 7 hinterließ eine Bombe einen tiefen Krater. Nur durch glückliche Umstände überlebte der Hofbesitzer schwer verletzt.
Die meisten Opfer in der Friederikenstraße
Die höchste Zahl an Todesopfern war in der Friederikenstraße zu beklagen. In ehemaligen Werkstätten, Kellern und provisorischen Bunkern suchten zahlreiche Menschen Schutz – oft vergeblich. Ganze Familien verloren ihr Leben. Besonders erschütternd ist das Schicksal der Familien Goldmann, Möhle und weiterer Anwohner.
Weitere Einzelschicksale
Auch Einzelpersonen fielen den Bomben zum Opfer: Eine Mutter starb auf dem Weg in den Keller, ein Bankdirektor wurde von herabstürzenden Trümmern erschlagen. Viele Verletzte konnten im Lazarett der Mittelschule gerettet werden.
Trauerfeier und Beisetzungen
Die Särge der Opfer waren in der Friedhofskapelle an der Uetzer Straße aufgebahrt. Am 28. Februar 1945 fand eine große Trauerfeier vor dem Schloss statt. 20 Opfer fanden in einem Gemeinschaftsgrab ihre letzte Ruhe, andere in Familiengräbern. Die Andachten hielten die beiden Burgdorfer Pastoren.
Die letzten Bomben vor Kriegsende
Am 7. April 1945 griffen Jagdbomber die Flakstellung am Schießstand an. Dabei kamen weitere Zivilisten, Flakhelferinnen und Soldaten ums Leben. Auch hier kam es zu chaotischen Zuständen bei der Bergung und Beisetzung der Toten.
Der Einmarsch der amerikanischen Truppen
Am Morgen nach der Beisetzung, dem 10. April 1945, besetzten amerikanische Truppen Burgdorf. Für die Stadt endete damit der Krieg – doch die Wunden, die er geschlagen hatte, blieben noch lange sichtbar.
EINE DETAILLIERTE BESCHREIBUNG DER EREIGNISSE FINDEN SIE HIER.