Fr, 10. Jul. 2026
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News - BurgdorfERleben
Angepinnter BeitragRückblick auf das diesjährige 430. Burgdorfer Volks- und Schützenfest
Die BurgdorfErleben-Redaktion im Gespräch mit dem Vorsitzenden der Burgdorfer Schützengesellschaft Jörg Hoppe

Jörg Hoppe, Vorsitzender der Burgdorfer Schützengesellschaft (links), beim Fassbieranstich mit Bürgermeister Armin Pollehn (Foto: Martina Pahlke/NEUE WOCHE)
Herr Hoppe, das Volks- und Schützenfest 2026 liegt hinter uns. Wenn Sie mit ein paar Tagen Abstand zurückblicken: Wie fällt Ihr persönliches Fazit aus?
Dass, was uns in diesem Jahr widerfahren ist, kann man gar nicht so richtig in Worte fassen. Alles war vorbereitet. Wir hatten einen gut bestückten Festplatz mit drei großen, sehr guten Fahrgeschäften sowie zahlreichen weiteren Schaustellern. Für den Samstag konnten wir erstmals seit Jahren eine Liveband verpflichten. Dann erwischte uns ein Wochenende, dass es seit Jahren hinsichtlich des Wetters noch nie gegeben hatte: Das heißeste Wochenende des Jahres fiel genau auf unser Volks- und Schützenfest. Wir können noch nicht einmal sagen, dass wir mit einem "blauen“ Auge davongekommen sind. Mir persönlich tun die Schausteller, der Festwirt und die Burgdorfer Schützenfamilie extrem Leid, die sicherlich auch großen Grund zur Klage hatten. Organisatorisch beweisen wir seit Jahren, dass wir ein Volks- und Schützenfest auf die Beine stellen können.
Was war für Sie der schönste oder bewegendste Moment dieses Schützenfestes?
Die Entscheidung, am Donnerstag und Freitag auf den Spittaplatz zu gehen, war eindeutig richtig. Insbesondere der Donnerstabend mit dem Zapfenstreich hatte ein deutlich besseres Ambiente als auf der Marktstraße. Dieses wurde uns von allen Seiten auch bestätigt.
Das Schützenfestwochenende gehörte zu den bisher heißesten Wochenenden des Jahres. Wie sehr hat die außergewöhnliche Wärme die Planungen und den Ablauf beeinflusst?
Wie eingangs schon erwähnt, hat uns das Wetter einen gewaltigen Strich durch die Rechnung gemacht. Wir haben bereits Anfang der Woche die Entscheidungen hinsichtlich der Verkürzung des Umzuges am Sonntag sowie der Marscherleichterung für alle Umzüge getroffen. Das war sicherlich eine weise Entscheidung. Erfreulicherweise ist es bei keinem Teilnehmer zu ernsten gesundheitlichen Einschränkungen gekommen.
Wie haben Sie die Resonanz der Besucher auch im Hinblick auf die Hitzebelastung
erlebt?
Wie Sie sich vorstellen können, ist der Besuch an allen Tagen sehr schlecht gewesen. Die Liveband am Samstag hätte auf jeden Fall mehr Besucher verdient gehabt. Wir haben da einen richtigen Glücksgriff getan. Die Besucher, die im Zelt waren, waren total begeistert. Auch der DJ Engin hat einen sehr guten Job gemacht.
Wie entwickelt sich die Burgdorfer Schützengesellschaft aktuell? Lässt das
Interesse jüngerer Menschen an der Schützentradition nach?
Das ist schon eine schwierige Frage. Die Entwicklung bei unseren Jungschützen erfährt seit ca. zwei Jahren einen positiven Trend. Auch in den anderen Korporationen sieht es nicht schlecht aus. Wir müssen hierbei jedoch auch berücksichtigen, dass sich das Freizeitverhalten der „Kids“ in den letzten Jahren grundlegend verändert hat.
Brauchtum und Tradition kann man den jungen Menschen heute eher schlechter vermitteln, als es in meiner Jugend noch der Fall gewesen ist. Wir hatten damals Weihnachten und Ostern. Danach kam Schützenfest. Diese Zeiten sind lange vorbei! Wichtig ist aus meiner Sicht, dass wir die Wünsche der Jugendlichen akzeptieren und sie auch mitnehmen. Da müssen dann auch die älteren Generationen von liebgewonnenen Dingen einmal Abstand nehmen. Zu unserem diesjährigen Schützenfest haben z.B. vier junge Vereinsmitglieder zwischen 18 und 30 Videos gedreht und über mehrere Kanäle geteilt. Diese Videos sind sehr gut angenommen worden und in großer Anzahl geteilt worden.
Welche Bedeutung hat das Schützenfest für die Identität der Stadt Burgdorf?
Die Burgdorfer Schützengesellschaft von 1593 e.V. ist der älteste Verein unserer Heimatstadt. Darauf sind wir schon ein Stück weit stolz. Der Verein hat, denke ich, ein sehr gutes Standing innerhalb der Stadt. Dieses wird uns auch immer von verschiedenen Seiten widergespiegelt. Auch unsere „Stadtväter“ beteuern das immer wieder. Durch ein solches Fest besteht die Möglichkeit, Menschen unabhängig von Herkunft, sozialem Status oder Beruf zusammenzubringen. Wir als Verein leisten ehrenamtliche Arbeit auch für unsere Heimatstadt. Umso wichtiger wird es künftig sein, daran auch festzuhalten, denn die Rahmenbedingungen solche Feste werden nicht einfacher.
Wie gelingt es, Tradition zu bewahren und gleichzeitig ein modernes, offenes
Volksfest für alle Generationen zu gestalten?
Wie schon erwähnt, ist es wichtig, die unterschiedlichen Generationen beieinander zu halten. Es darf aus meiner Sicht nicht der Fehler gemacht werden, ältere Generationen vermehrt außen vor zu lassen. Ja, die Jugend ist und wird unsere Zukunft sein. Ein ordentliches Miteinander muss die Grundlage dafür sein, dass wir auch weiterhin gemeinsam Volksfeste feiern können und auch werden. Wir sind der Meinung, dass wir hier gut unterwegs sind. Ich bin hundertprozentig der Meinung, dass wir in diesem Jahr mit unserer Liveband am Samstagabend einen sehr ordentlichen Besuch durch alle Generationen hindurch gehabt hätten, wenn uns das Wetter nicht einen gewaltigen Strich durch die Rechnung gemacht hätte. Der Spagat zwischen einer Tradition und Moderne muss uns gelingen, in dem „Althergebrachtes“ mit neuen Elementen wie z.B. digitalem Marketing und moderner Musik sowie modernen aber auch historischen Fahrgeschäften verbunden werden, um Jung und Alt gleichermaßen anzusprechen.