Mi, 04. Nov. 2026
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Angepinnter BeitragGastvortrag mit dem Sportpsychologen Hans-Dieter Hermann stand im Mittelpunkt des 21. Burgdorfer Wirtschaftsforums
Eine emotionale Botschaft, die Fußballgeschichte schrieb: „Du kannst es möglich machen“

Sportpsychologe Prof. Hans-Dieter Hermann bei seinem Vortrag zum 21. Burgdorfer Wirtschaftsforum
Was entscheidet über Erfolg und Misserfolg? Talent, Erfahrung und Leistungsbereitschaft spielen zweifellos eine wichtige Rolle. Doch manchmal fällt die entscheidende Entscheidung im Kopf. Genau diesem spannenden Zusammenspiel von mentaler Stärke, Motivation und individueller Einstellung widmete sich das 21. Burgdorfer Wirtschaftsforum am Montagabend im Veranstaltungszentrum StadtHaus. Stadtmarketing Burgdorf (SMB) hatte mit dem Sportpsychologen Prof. Dr. Hans-Dieter Hermann einen Referenten gewonnen, der wie kaum ein anderer die psychologischen Hintergründe sportlicher Höchstleistungen kennt. Unter dem Titel „Erfolg beginnt im Kopf – Misserfolg auch!“ nahm er die Gäste mit in eine Welt, in der oft Sekundenbruchteile über Sieg und Niederlage entscheiden.
Mannschaftspsychologe der deutschen Nationalmannschaft
Als langjähriger Mannschaftspsychologe der deutschen Fußballnationalmannschaft kennt Hermann die besonderen Anforderungen, denen Spitzenathleten ausgesetzt sind. Mehr als zwei Jahrzehnte betreute er die Nationalmannschaft bei Länderspielen sowie Europa- und Weltmeisterschaften. Auch beim historischen WM-Triumph 2014 in Brasilien gehörte er zum Betreuerstab. Darüber hinaus unterstützte er zahlreiche weitere deutsche und internationale Sportmannschaften, darunter die österreichischen Skirennläufer sowie die deutschen Nationalmannschaften im Turnen, Boxen und Hockey.
Seine Aufgabe bestand dabei meist darin, im Hintergrund die Voraussetzungen für Spitzenleistungen zu schaffen. Denn körperliche Fitness und technisches Können allein reichen nicht aus, wenn es darauf ankommt, unter größtem Druck die richtige Entscheidung zu treffen. Konzentration, Selbstvertrauen, Teamgeist und der konstruktive Umgang mit Rückschlägen spielen eine ebenso wichtige Rolle. Hermann machte deutlich, dass mentale Stärke keine angeborene Eigenschaft ist, sondern gezielt entwickelt und trainiert werden kann.
Mit authentischen Geschichten und persönlichen Erlebnissen aus mehr als drei Jahrzehnten im internationalen Spitzensport vermittelte Hermann anschaulich, welche Bedeutung mentale Stärke für außergewöhnliche Leistungen besitzt. Seine Ausführungen eröffneten zugleich interessante Perspektiven für die Herausforderungen moderner Unternehmensführung.
Parallelen zwischen Leistungssport und Wirtschaft
Hans-Dieter Hermann zeigte viele Parallelen zwischen Leistungssport und Wirtschaft auf: Auch Führungskräfte und Mitarbeiter müssen anspruchsvolle Situationen meistern, mit hohen Erwartungen umgehen und als Team gemeinsame Ziele erreichen. Wie im Spitzensport entscheidet dabei nicht allein die individuelle Leistungsfähigkeit. Erst die Fähigkeit, sich selbst und andere Menschen zu motivieren, ohne etwas vorzuspielen, eine prinzipielle und sichtbare Freude an der eigenen Tätigkeit, gegenseitiges Vertrauen und eine klare Kommunikation schaffen die Grundlage für nachhaltigen Erfolg der Unternehmensführung. Unverzichtbar sei es zudem, den Mitarbeitern ein Gefühl der Anerkennung und Zugehörigkeit zu vermitteln.
Kein Raum für Versagensängste
Der Experte verdeutlichte, dass sowohl Leistungssportler als auch Führungskräfte besonderen Herausforderungen mit Entschlossenheit begegnen und auch unter großem Druck die Zuversicht bewahren müssen, diese erfolgreich zu meistern. Wer dagegen Versagensängsten zu viel Raum im Kopf gebe und sich gedanklich bereits mit dem Scheitern beschäftige, verbaue sich dagegen häufig selbst den Weg zum Erfolg, warnte Hermann.
Uneigennütziger Teamgeist
Als weiteren elementaren Baustein des sportlichen und unternehmerischen Erfolgs benannte der Sportpsychologe Hans-Dieter Hermann einen uneigennützigen Teamgeist, bei dem nicht die persönlichen Ambitionen des Einzelnen, sondern das gemeinsame Ziel im Mittelpunkt stehen. Entscheidend sei die Bereitschaft, eigene Interessen zurückzustellen, sich gegenseitig zu unterstützen und die individuellen Stärken aller Beteiligten zum Wohl des Sportlerteams und ebenso des Unternehmens einzubringen. „All dieses verkörpert eine Szene aus dem Fußball-WM-Finale 2014 mit dem besten WM-Torschützen aller Zeiten Miroslav Klose und dem 22-jährigen Newcomer Mario Götze“, erläuterte Hermann. Als Bundestrainer Joachim Löw Klose in der 88. Minute gegen den jungen Mittelstürmer austauschte, umarmte dieser Götze und flüsterte ihm ins Ohr „Du kannst es möglich machen“. Angefeuert von diesem Motivationsschub erzielte Mario Götze schließlich in der 113. Minute den entscheidenden Treffer zum WM-Titel. Wenn Klose nicht diesen, das eigene Ego zurückstellenden Teamspirit besessen hätte, würde er wahrscheinlich mit Wut und Ärger auf seine Auswechselung reagiert haben.
Positive Entwicklung

Zum Auftakt des Abends richtete der Stadtmarketing-Vorsitzende Markus Wzietek den Blick auf aktuelle Stadtmarketing-Projekte. „Das Netzwerk für Wirtschaft und Gesellschaft entwickelt sich auch im 22. Jahr seines Bestehens positiv“, betonte Wzietek. Als Beispiele nannte er das neue Gutscheinbuch „Burgdorf-Bonus 2027/28“ mit 100 Angeboten im Gesamtwert von rund 3.000 Euro, die große Resonanz des Informationsportals burgdorferleben.de sowie die vielfältigen Aktivitäten der Arbeitskreise und Projektgruppen. Auch die Verkaufsoffenen Sonntage leisten mit hohen Besucherzahlen einen wichtigen Beitrag zur Belebung der Innenstadt, unterstrich der Vorsitzende. Besonders hob Wzietek die neue Weihnachtsbeleuchtung hervor, die nach 20 Jahren mit Unterstützung zahlreicher Sponsoren und Förderer für die Marktstraße sowie die Post- und Braunschweiger Straße angeschafft werden konnte.
Grußwort der neuen Bürgermeisterin
„Ich freue mich, dass ich an diesem Abend mit Menschen zusammenkomme, die unsere Stadt prägen und mitgestalten“, bekräftigte die neue Bürgermeisterin Andrea Buhndorf in ihrem Grußwort. „Als Unternehmer leisten Sie einen wichtigen Beitrag für eine starke, lokale Wirtschaft, die dafür sorgt, dass die Menschen in Burgdorf unsere Stadt als attraktiven Ort zum Leben und Arbeiten wahrnehmen“, ergänzte Buhndorf. Sie verwies darauf, dass hinter jedem Unternehmen Menschen stehen, die Ideen entwickeln, Verantwortung übernehmen, Entscheidungen treffen und manchmal auch Risiken eingehen. Dafür verdienten sie Anerkennung und Wertschätzung. „Wir werden mit einer personell gestärkten Wirtschaftsförderung, die als Bindeglied zwischen den verschiedenen Akteuren unseres Wirtschaftsstandortes wirkt, und einem neuen City-Management, das 2027 seine Arbeit aufnimmt, die örtliche Wirtschaft weiter gezielt unterstützen“, kündigte die Bürgermeisterin zum Abschluss ihres Grußwortes an.
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Fotos von Joachim Lührs