Do, 28. Mai. 2026
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Angepinnter Beitrag„Ein Jahrzehnt im Umbruch – die 1970er Jahre“
Neue Ausstellung vom 6. Juni bis 6. September im Stadtmuseum
Schlaghosen, Discofieber, Ölkrise, Ostpolitik, RAF-Terror und Flower-Power – die 1970er Jahre waren ein Jahrzehnt voller Gegensätze, das Politik, Gesellschaft und Alltagsleben nachhaltig veränderte. Welche Entwicklungen diese Epoche prägten und warum ihre Auswirkungen bis heute spürbar sind, zeigt die neue Ausstellung „Ein Jahrzehnt im Umbruch – die 1970er Jahre“, die vom Samstag, 6. Juni, bis Sonntag, 6. September, im Stadtmuseum Burgdorf (Schmiedestraße 6) zu sehen ist.
Gastgeber sind der VVV Burgdorf, der Förderverein Stadtmuseum Burgdorf und die Stadt Burgdorf. Für die Konzeption und Zusammenstellung verantwortlich zeichnet ein VVV-Projektteam mit Dr. Andreas Fahl, Gerhard Bleich, Anke Gehrke, Eckhard Gieseler, Heidrun Rickert, Martin Schlehuber, Silvia Schwentke, Christina Winter und Burkhard Wolters. Fördernde Unterstützung leisten die Sparkasse Hannover und die Region Hannover.
Die Schau ist bei freiem Eintritt jeweils samstags und sonntags von 14.00 bis 17.00 Uhr geöffnet. Ein begleitender Ausstellungsführer ist gegen eine Schutzgebühr von 6 Euro im Stadtmuseum sowie bei Bleich Drucken und Stempeln, Braunschweiger Str.2, erhältlich.
Eröffnung mit Bürgermeister Armin Pollehn
Die Ausstellungseröffnung findet am Samstag, 6. Juni, um 11.00 Uhr im Stadtmuseum statt. Die Einführung übernimmt Bürgermeister Armin Pollehn. Für die musikalische Umrahmung sorgt der Burgdorfer Musiker Daniel Fernholz mit bekannten Songs aus den 70er Jahren.
Zwischen Aufbruch und Verunsicherung
Die 1970er Jahre gelten als Zeit tiefgreifender gesellschaftlicher Veränderungen. Während die sozialliberale Koalition Reformen und eine neue Entspannungspolitik vorantrieb, erschütterten Terrorismus, politische Konflikte und wirtschaftliche Krisen das Vertrauen vieler Menschen. Auf internationale Annäherung und Abrüstungsbemühungen folgte gegen Ende des Jahrzehnts erneut ein verschärfter Ost-West-Konflikt. Gleichzeitig sorgten die Ölkrisen von 1973 und 1979 für wirtschaftliche Unsicherheit, steigende Preise und Arbeitslosigkeit.
Dennoch waren die 70er Jahre ebenso von einer starken Aufbruchstimmung geprägt. Frauenbewegung, Umweltinitiativen und neue gesellschaftliche Freiheiten veränderten das Lebensgefühl nachhaltig. Die Menschen lösten sich zunehmend von traditionellen Normen und entdeckten neue Formen des Zusammenlebens, der Kultur und der politischen Mitgestaltung.
Von Willy Brandt bis zur Anti-Atomkraft-Bewegung
Die Ausstellung verbindet internationale Ereignisse mit Entwicklungen in Deutschland, Niedersachsen und in der Landeshauptstadt Hannover. Thematisiert werden unter anderem die Arbeit der Sozialliberalen Koalition, die Ostpolitik von Willy Brandt und sein Rücktritt nach einer Spionageaffäre, die Veränderungen im Industriesektor, die ersten großen Anti-Atomkraft-Proteste sowie bahnbrechenden technische und gesellschaftliche Veränderungen, die den Alltag revolutionierten. In Hannover trat im Jahr 1972 mit Herbert Schmalstieg der damals jüngste Oberbürgermeister der Bundesrepublik sein Amt an. Kultur und Stadtbild veränderten sich hier rasant durch das innovative Straßenkunstprogramm, die viel diskutierte Aufstellung der „Nanas“ am Leineufer sowie die Inbetriebnahme der ersten U-Bahn-Strecke.
Eine nostalgische Zeitreise
Darüber hinaus lädt die Schau zu einer nostalgischen Reise in die Alltags- und Popkultur der 70er Jahre ein. Musik, Mode, Fernsehen, Wohnen, Freizeit und Sport spiegeln das unverwechselbare Lebensgefühl des Jahrzehnts wider – von Disco und Glam Rock über Punk und Liedermacher bis hin zu legendären Fernsehsendungen und großen Fußballereignissen. Im Mittelpunkt stehen zudem die Veränderungen im Bildungsbereich, der die Leitlinien Anti-Autoritäre Erziehung und Förderung selbständigen Lernens verfolgte. Zahlreiche Schautafeln, originale Exponate, Fotografien und Dokumente lassen die Atmosphäre dieser bewegten Zeit wieder aufleben. Ein besonderer Blickfang ist ein Ford Escort aus den frühen 70er Jahren.
Burgdorfs Entwicklung in den 70ern
Ein besonderer Schwerpunkt widmet sich zudem der Entwicklung Burgdorfs in den 1970er Jahren. Das zweite Jahr des neuen Jahrzehnts endete mit der Schließung des jahrzehntelang bedeutendsten Wirtschaftsbetriebes der Stadt — der Burgdorfer Konservenfabrik, die kurz zuvor ein Großkonzern übernommen hatte. Ein neues Altstadtsanierungskonzept führte zum Abriss vieler älterer Häuser u.a. am Brandende und am Bahnhof. Wichtigstes Bauprojekt war die Errichtung der Hochbrücke in den Jahren 1974 und 1975. Die niedersächsische Gebiets- und Verwaltungsreform von 1974 brachte die Auflösung des traditionsreichen Landkreises Burgdorf und die Eingliederung in den Landkreis Hannover mit sich. Im Jahr 1979 feierte die Stadt schließlich ihr 700-jähriges Bestehen, während im selben Jahr das norddeutsche Schneechaos die Region in Atem hielt.

Die Burgdorfer Konservenfabrik schließt am 30. Dezember 1971 für immer ihre Pforten

Landwirte aus dem gesamten Kreisgebiet demonstrieren am 11. Februar 1972 auf dem Spittaplatz gegen die niedrigen Agrarpreise

Bauarbeiten für die neue Hochbrücke starten 1974

Stadtdirektor Horst Bindseil (links) und der Vertreter des Straßenbauamtes Celle, Rolf Hormann, öffnen am 20. März 1975 inoffiziell die neue Hochbrücke für den Verkehr

Die Paulus-Kirche in der Südstadt 1973

Marktstraße im Jahr 1977

Festumzug zur 700-Jahr-Feier der Stadt Burgdorf am 28. September 1979