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Poststraße - Teil des alten Hauses Sannemann - Moosberg - Synagoge

Mi, 17. Jun. 2026

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News - BurgdorfERleben

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Ehemalige Synagoge in der Poststraße (heute KulturWerkStadt)


Poststraße - Teil des alten Hauses Sannemann - Moosberg - Synagoge

Im 24. Teil der "Zeitreise" wendet sich die "BurgdorfErleben"- Redaktion
der Geschichte der ehemaligen Synagoge in der Poststraße zu. Auf unserem Startfoto handelt es sich um das dritte Haus
von vorne. Davor steht das Textilhaus von Louis Moosberg und an erster Stelle das Eisenwarenhandelsgeschäft von Carl Sannemann.

Baubeginn im Jahr 1811

Der große Brand von 1809 hat auch die schon vorher in Burgdorf vorhandene Synagoge vernichtet. Es gibt zu dieser Zeit etwa 80 Einwohner in Burgdorf, die sich zum jüdischen Glauben bekennen. Sie bauen 1811 ein neues Bethaus auf dem Grundstück Poststraße 2 – Ecke Louisenstraße -. Es entsteht hier ein schmuckloses zweigeschossiges Fachwerkhaus, das sich äußerlich kaum von den übrigen Bürgerhäusern in unserer Stadt unterscheidet. Nur zwei etwa 4 Meter hohe Rundbogenfenster an der Louisenstraße lassen erkennen, dass es sich nicht um ein Wohnhaus handelt.

Über zwei in den Bürgersteig hineinragende steinerne Trittstufen gelangt man durch eine zweiflügelige Haustür mit Oberlicht in einen Flur. Im hinteren Teil des Hauses befindet sich ein kleiner über beide Stockwerke reichender Saal, in dem die Gottesdienste stattfinden. Die rechts vom Flur liegenden beiden Räume sind den weiblichen Gemeindemitgliedern und den Kindern vorbehalten, die nach der Synagogenordnung nur hier an den Gottesdiensten teilnehmen dürfen. An der linken Seite des Hauses befinden sich zwei hintereinander angeordnete Zimmer. Sie können als Wohnung gedient haben. lm Obergeschoss sind drei Wohnräume vorhanden.

Synagogenordnung aus dem 1832

In den Burgdorfer Hausverzeichnissen von 1817 und 1848 ist als Eigentümer des Grundstückes Poststraße lediglich „Synagoge" eingetragen. Der damalige vom hannoverschen König eingesetzte Landrabbiner Dr. N. Adler erlässt 1832 eine ausführliche Synagogenordnung. Ihr ist zu entnehmen, dass der Gottesdienst strengen Regelungen unterliegt. Eine „gesetzmäßige Versammlung“ ist nur möglich, wenn mindestens zehn über 13 Jahre alte männliche Gemeindemitglieder zusammenkommen. Frauen und Kindern ist ein „besonderes Local“ zuzuweisen. Kinder unter 5 Jahren dürfen nicht in die Synagoge eingelassen werden. Wer unentschuldigt dem Gottesdienst fernbleibt, ist vom Gemeindevorsteher mit einer Geldstraße zwischen vier Guten Groschen und 2 Reichsthalern zu belegen. Diese Strafen sind nach königlichem Erlass vom Magistrat einzuziehen und dem Landrabbinat zu überweisen.

Vorsteher der Israelitischen Gemeinde Burgdorf, zu der auch Burgwedel und Isernhagen gehören, ist in der Mitte des 19. Jahrhunderts der Lederwarenhändler Lefmann Meyer. 1910 ist Hermann Hirschberg als Gemeindevorsteher nachweisbar.

Jüdische Mitbürger unter den Weltkriegsopfern

Im Ersten Weltkrieg fallen auch sechs jüdische Bürger aus Burgdorf. Es sind Artur Samuelson, Carl Cohn, Martin Samuelson, Leopold Hermann, Fritz Meyer und Fritz Moosberg. Mit einer schweren Gedenktafel aus Eichenholz erinnert die Synagogengemeinde Burgdorf an ihre gefallenen Söhne. Die Tafel wird beim Umbau des Hauses 1939 entfernt und auf dem Dachboden der damals als HJ-Jugendheim genutzten „Lampenmühle" gelagert. Hier entdecken sie erst Mitte 1985 aufmerksame städtische Arbeiter. Die Stadt lässt die Tafel restaurieren. Sie hat heute einen Platz im Stadtmuseum gefunden.

Letzte Gottesdienste im Jahr 1934

1871 werden in Burgdorf 114 Juden gezählt, 1905 sind es nur noch 72. Ihre Zahl nimmt in den folgenden Jahren weiter ab. 1925 bekennen sich 56 Einwohner unserer Stadt zum jüdischen Glauben. Anfang 1937 leben nur noch die jüdischen Familien Cohn, Jacobssohn, Moosberg, Dr. Rasch und Rosenberg mit insgesamt 18 Personen sowie Rauer Löwenstein und Julin Simon in Burgdorf. Die „gesetzmäßige Zahl" von zehn männlichen Gemeindemitgliedern, die für eine Versammlung in der Synagoge erforderlich sind, ist nicht mehr gegeben. Es dürfte demnach zutreffen, wenn berichtet wird, dass ab 1935 keine Gottesdienste in der Synagoge mehr stattgefunden haben.

Feuerwehrkommandeur verhindert Brandstiftung

In der Reichspogromnacht am 9. November 1938 verhindert der Burgdorfer Feuerwehrkommandeur Adolf Michelssen, dass Nazi-Handlanger das Synagogengebäude niederbrennen. Er setzt sich gegenüber der NSDAP mit dem Hinweis durch, dass die Feuerwehr nicht in der Lage sei, die angrenzenden alten Fachwerkhäuser in der Post- und Luisenstraße zu schützen, wenn das Gebäude angezündet werden sollte.

Foto 1 Alte Synagoge 1938

Die Synagoge im Jahr 1938

Stadt kauft Synagogengebäude

Am 17. Februar 1939 kauft die Stadt Burgdorf das Synagogengebäude von der Jüdischen Gemeinde, für die Hermann Cohn den Kaufvertrag unterzeichnet. Der Kaufpreis beträgt 2.500 Mark, der auf ein Sperrkonto bei einer Berliner Bank überwiesen werden muss.

Stadtbücherei nutzt die Räumlichkeiten

Nach dem Kauf des Hauses verlegt der HJ-Bann seine Geschäftsstelle in die Poststraße 2. Weitere Räume sind als Wohnungen vermietet. Von 1944 bis 1959 nutzt die Stadtbücherei den ehemaligen Versammlungsraum. 1945 wohnen hier außerdem fünf Familien, die aus den Ostgebieten vertrieben sind. 1960 überlässt die Stadt Burgdorf das Grundstück Poststraße 2 im Tauschwege dem Brennereibesitzer und Gastwirt Karl Wietfeldt und erhält dafür Bauland an der Immenser Straße. 1977 erfolgt der Umbau der ehemaligen Synagoge zum Geschäftshaus.

Kreis- und Stadtbücherei Louisenstraße 1958 (früher Synagoge, heute KulturWerkStadt)

Kreis- und Stadtbücherei Louisenstraße/Ecke Poststraße 1958

15a - Poststraße (ehemalige Synagoge) 1975

Die ehemalige Synagoge im Jahr 1975

Poststraße 2 - Synagoge

Die ehemalige Synagoge im Jahr 2007

Seit 2008 KulturWerkStadt

Im Jahre 2007 kauft ein Burgdorfer Unternehmer das Haus, lässt es renovieren und stellt es der Stadt Burgdorf zur Nutzung zur Verfügung. Die Stadt überlässt das Gebäude dem Verkehrs- und Verschönerungs-Verein der Stadt Burgdorf (VVV) für Ausstellungen und kulturelle Veranstaltungen. Die am 21. August 2008 als KulturWerkStadt eröffnete Museumseinrichtung dient dazu, die Aktivitäten im Stadtmuseum zu ergänzen und hat sich als weiteres kulturelles Zentrum in der Stadt etabliert. Pro Jahr verzeichnet die KulturWerkStadt rund 15.000 Besucher. Schwerpunkt sind wechselnde Ausstellungen stadt- und kulturgeschichtlichen Inhalts. Daneben gibt es kulturelle Veranstaltungen sowie Vorträge, Lesungen, Dia-Schauen, kleine Konzerte und Gesprächsrunden. Eine Gedenktafel erinnert an die Geschichte des Gebäudes.

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Bis zum 28. Juni 2026 zeigt die KulturWerkStadt die Ausstellung der Radfahrgalerie Burgdorf "Früh übt sich... - Kindermobile aus den vergangenen 100 Jahren". Öffnungszeiten: sonntags von 14 - 17 Uhr.

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