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So, 07. Jun. 2026

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News - BurgdorfERleben

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Ausstellung über die 70er Jahre im Stadtmuseum eröffnet

Ein Jahrzehnt pendelt zwischen Aufbruchs- und Krisenstimmung

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„Die 70er Jahre waren sowohl eine gesellschaftliche Aufbruchs- als auch eine spannungsgeladene und konfrontative Krisenzeit im Hinblick auf die Rivalität zwischen den westlichen Demokratien und den kommunistischen Staaten im Osten“: So fasste Bürgermeister Armin Pollehn den Charakter der 70er Jahre bei der Eröffnung der neuen Ausstellung „Ein Jahrzehnt im Umbruch“ zusammen. Zahlreiche Gäste folgten im Stadtmuseum seinem persönlichen Rückblick auf diese Dekade. „In diesem Spannungsfeld von Freiheit und Diktatur haben wir die 70er Jahre bewusst oder unbewusst erlebt“, führte Pollehn weiter aus.

Eine Zeit der Widersprüche

Er rief in Erinnerung, die dieses Jahrzehnt als eine Zeit der Widersprüche und Gegensätze gilt. Ausgerechnet, während die sozialliberale Koalition gesellschaftliche Reformen und Entspannungspolitik betrieben habe, hätte eine kleine Gruppe mordend für den Umsturz der Verhältnisse zu kämpfen begonnen. International sei auf eine Rüstungkontrolle zum Anfang des Jahrzehnts an dessen Ende ein erneuter Rüstungswettlauf erfolgt. „Die 70er Jahre starteten zunächst auf einer soliden wirtschaftlichen Basis, bis insbesondere die Ölkrisen der Jahre 1973 und 1979 zu steigenden Preisen und Arbeitslosigkeit führten“, konstatierte Pollehn. Trotzdem seien die 70er Jahre durch eine Aufbruchsstimmung geprägt gewesen, deren Grundlage die wachsende Befreiung von traditionellen Werten und Normen, aber auch von rechtlichen Einschränkungen gebildet hätten.

Emotionale Verbindung zu den 70er Jahren

„Wir alle brauchen kein Geschichtsbuch und keinen Wikipedia-Beitrag zurate ziehen, um uns die 70er Jahre zu vergegenwärtigen“, sagte er an die Zuhörer gewandt. „Denn wir haben die Zeit persönlich miterlebt und verbinden mit ihr ganz individuelle, emotionale Erinnerungen“, unterstrich Pollehn. So habe er in dieser Zeit seine erste Freundin kennengelernt, sein erstes erwachsenengerechtes Fahrrad erhalten und den Konfirmandenunterricht inklusive gemeinsamer Gruppenreisen nach Südtirol miterlebt. Er sei dem damaligen Pastor dankbar, dass dieser den verstaubten, meist durch Auswendiglernen geprägten Unterricht reformiert und in ein offenes Forum für den Austausch und Diskussionen verwandelt habe.

Ein herber wirtschaftlicher Rückschlag

Armin Pollehns zeitgeschichtlicher Rückblick richtete den Fokus zudem auf die Burgdorfer Entwicklung in den 70er Jahren, die gleich zu Anfang des Jahrzehnts einen herben wirtschaftlichen Rückschlag verkraften musste. Der Großkonzern Langnese-Iglo hatte 1970 die ehemals international bekannte Burgdorfer Konservenfabrik übernommen, was die Stadt zu einer feierlichen, von einem bisher einmaligen Höhenfeuerwerk gekrönten Übergabezeremonie am 24. Januar veranlasste. Nur ein Jahr später der Konzern bekannt, dass er die Konservenfabrik am 31. Januar 1971 für immer schließen und deren Produktion nach Wunstorf verlegen werde. Vier Jahre gab es mit dem Konkurs der Reifenfirma TyresoleS einen weiteren Dämpfer für die wirtschaftliche Lage der Stadt. Die Gebiets- und Verwaltungsreform des Jahres 1974 führte schließlich zur Eingemeindung von neun vorher selbständigen Orten.

Für eine musikalische Einstimmung auf die 70er Jahre sorgte der Burgdorfer Musiker Daniel Fernholz mit seinem Gesang, den er stimmungsvoll auf seiner Gitarre und teilweise auf der Mundharmonika begleitete. Die Bandbreite der vorgetragenen Melodien reichte über Juliane Werdings „Am Tag, als Conny Cramer starb“ und Cat Stevens´ „Father and Son“ über „Die Freiheit“ des österreichischen Liedermachers Georg Danzer bis zu Peter Alexanders von den Gästen mitgesungener Kneipenhymne „Die kleine Kneipe in unserer Straße“.

Das Ausstellungsteam hat eine sehenswerte Palette an Exponaten zusammengestellt, die neben zahlreichen Schautafeln die 1970er Jahre repräsentativ und mit großem Detailreichtum widerspiegeln. So ist im Obergeschoss eine komplette Wohnungseinrichtung aus dieser Zeit zu sehen. Als Beispiele für den damaligen Stand der motorunterstützten Mobilität stehen ein Ford Escort, der damals ein ernsthafter Konkurrent des VW Käfers und Opel Kadett war, und diverse Motorräder, darunter eine italienische Motoguzzi „Nuovo Falcone“. Beim Rundgang durch die Ausstellung erfahren die Besucher ebenso, welche musikalischen Stilrichtungen und Künstler damals populär und welche Modetrends (vom Minirock bis zum Parka) damals en vogue waren. Einblicke in die verschiedenen literarischen Erzeugnisse der 70er Jahre und markante Produkte der Unterhaltungselektronik wie ein WEGA Color Farbfernseher und ein Privileg Vierspur Tonbandgerät komplettieren die umfangreiche Ausstellungspalette.

Bei der Begrüßung der Gäste dankte der stellvertretende VVV-Vorsitzende Michael Raupach dem Ausstellungsteam − bestehend aus Dr. Andreas Fahl, Christoph Adolph, Gerhard Bleich, Anke Gehrke, Eckhard Gieseler, Heidrun Rickert, Gerhard Rickert, Martin Schlehuber, Silvia Schwentke, Christina Winter und Burkhard Wolters. Zudem bedankte er sich bei der Sparkasse Hannover, der CKT. Folientechnik GmbH und der Region Hannover für die Unterstützung der vom VVV, dem Förderverein Stadtmuseum und der Stadt präsentierten Schau. Sie ist samstags und sonntags von 14.00 bis 17.00 Uhr geöffnet. Einen begleitenden Ausstellungsführer gibt es am Infotresen im Museum und bei Bleich Drucken und Stempeln in der Braunschweiger Straße 2. Eine erste Führung findet am Sonntag, 21. Juni, um 14.00 Uhr mit Christoph Adolph statt.

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Fotos von Joachim Lührs

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