Fr, 02. Jan. 2026
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Sonstige News
Sanierung des Rathauses I wird erst Ostern 2027 fertig: Wegen früherer Bausünden steigen die Kosten um 1,2 Millionen Euro
Die Sanierung des Rathauses I an der Marktstraße dauert länger und wird teurer als zuletzt geplant. Laut der Stadt Burgdorf dauern die Arbeiten voraussichtlich bis Ostern 2027.
Der angestrebte Fertigstellungstermin zum Jahresende 2026 lasse sich nicht halten. Tülay Baran ist als Projektleiterin der Stadt für die Sanierung zuständig. Ihr zufolge sind nun zumindest für alle wesentlichen Gewerke wie Elektro, Heizung, Sanitär, Trockenbau und Malerarbeiten die Verträge unterzeichnet.
Hinfällig ist ebenfalls der bisherige Kostenrahmen. Aktuell rechnet die Stadt mit 8,35 Millionen Euro, das ist ein Plus von 1,2 Millionen Euro gegenüber der bislang letzten Kalkulation aus dem Sommer. Ursache sei der deutliche Mehraufwand für die Instandsetzung der Grundsubstanz.
Dabei kommt die Kommune sogar noch mit einem blauen Auge davon. „Die Flaute auf dem Bausektor hat sich positiv für uns bemerkbar gemacht“, sagt Baran. Zahlreiche Firmen hätten sich mit zum Teil unerwartet günstigen Angeboten um die ausgeschriebenen Gewerke beworben.
2020 hatte eine Machbarkeitsstudie für die damals noch geplante einfache Fassadensanierung samt Einbau eines Fahrstuhls rund 3,6 Millionen Euro zugrunde gelegt. Kostensteigerungen und das nachträglich vom Rat beschlossene Wärmepumpen-basierte Klimaschutzmodell hatten den Finanzbedarf bereits auf 7,15 Millionen Euro getrieben – doch auch diese Summe reicht nun nicht aus.
Vor einem Dreivierteljahr haben die ersten Abrissarbeiten begonnen. Das vierstöckige Fachwerkhaus wurde bis aufs nackte Gebälk skelettiert. Nun hat der Wiederaufbau begonnen. Wer das Haus von der Rückseite aus betritt, blickt bereits auf frisch ausgemauertes Fachwerk und den ersten frischen Lehmputz. Im Westteil des Erdgeschosses wachsen parallel ein zweites Treppenhaus und ein Aufzugsschacht in die Höhe. Der Aufzug ist der Barrierefreiheit geschuldet, die Betontreppe als zweiter Fluchtweg dem Brandschutz. Im vorderen Teil des Gebäudes zur Marktstraße hin erinnert vieles noch an einen Rohbau. Was die Sanierung teurer macht, kann Architekt Schmotz überall im Gebäude demonstrieren. Seit das Rathaus anno 1950 um zwei Geschosse aufgestockt wurde, sei vielfach „nicht unbedingt fachgerecht“ in die Substanz eingegriffen worden. Ohne Rücksicht auf die statische Funktion der Balken seien Türen und Fenster eingesetzt oder auch ganze Wände versetzt worden. Diese Bausünden der Vergangenheit seien erst bei der Entkernung vollständig ans Tageslicht gekommen – und sind jetzt ein Fall für die Zimmerleute, deren Auftragsvolumen deutlich erweitert wurde. Auch der alte Ratssaal im ersten Stock wird saniert, damit er künftig für Veranstaltungen genutzt werden kann. Dafür musste die marode Deckenbalkenkonstruktion erneuert werden. Ebenso die Stirnwand, die sich als Teil des rückwärtigen Fachwerkgiebels schon nach außen neigte. Dabei ließ sich ein zeitgenössisches Fresko nicht erhalten. Die Kassettendecke und die bleiverglasten Wappenfenster werden aber auch in Zukunft daran erinnern, dass Burgdorfs Rat zwischen 1950 und Mitte der Siebzigerjahre in dem imposanten Saal tagte.