Do, 24. Sep. 2026
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Sonstige News
Burgdorf von 1814 bis 1914: Letzter Teil der Ausstellungsreihe „Unsere Stadt – unsere Geschichte“ in der KulturWerkStadt
Die neue Ausstellung „Vom Wiener Kongress bis zum 1. Weltkrieg“ nimmt Besucher mit auf eine Reise durch ein Jahrhundert, das Burgdorf grundlegend verändert hat – politisch, gesellschaftlich und technisch. Es ist der dritte und letzte Teil der Reihe „Unsere Stadt – unsere Geschichte“, die der Verkehrs- und Verschönerungsverein (VVV), der Förderverein Stadtmuseum und die Stadt gemeinsam konzipiert haben.
Die Eröffnung beginnt am heutigen Sonnabend, 26. September, um 11 Uhr in der KulturWerkStadt, Poststraße 2. Bürgermeister Armin Pollehn führt in die Ausstellung ein, musikalisch begleitet von der Pianistin Maria Bychkova. Anschließend öffnet die Schau bis zum 15. November jeweils sonntags von 14 bis 17 Uhr. Der Eintritt ist frei. Wer mehr erfahren möchte, kann für 5 Euro einen Ausstellungsführer erwerben – erhältlich in der KulturWerkStadt sowie bei Bleich Drucken und Stempeln, Braunschweiger Straße 2.
Nudelfabrik, Bahnhof
und das erste Auto
Die Ausstellung widmet sich den 100 Jahren von 1814 bis 1914, die nicht nur von politischen Umbrüchen geprägt waren, sondern auch von gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Veränderungen sowie technischem Fortschritt.
Die Industrialisierung bringt neue Betriebe nach Burgdorf: eine Silberwarenfabrik, eine Nudel- und Maccaronifabrik und eine Stärkefabrik, dazu eine Molkerei, die Waagenfabrik Henckel und die Möbelfabrik Vollmer. 1892 folgt mit der Gründung der Konservenfabrik ein weiterer Meilenstein dieser Entwicklung.
Sichtbarstes Zeichen des technischen Fortschritts aber ist die Eisenbahn: 1845 hält der erste Zug in Burgdorf, 1850 wird der Bahnhof eingeweiht – die Stadt rückt näher an Hannover und Celle heran und wird zum Verkehrsknotenpunkt.
Es dauert dann nicht mehr lange, bis 1898 das erste Automobil durch die Straßen von Burgdorf holpert. Und wenige Jahre später ist Georg Sailer, Direktor der Landwirtschaftlichen Winterschule in Burgdorf, der erste Automobilbesitzer in der Stadt.
Von einem Königreich zur preußischen Provinz
Darüber hinaus zeichnet die Ausstellung die politischen und historischen Entwicklungen nach. Ausgangspunkt ist dabei der Wiener Kongress von 1814/15, mit dem Europa nach den napoleonischen Kriegen neu geordnet wird. Im Zuge dessen wird aus dem Kurfürstentum Braunschweig-Lüneburg das Königreich Hannover, zu dem auch Burgdorf gehört.
Eine Zäsur folgt 1837 mit dem Ende der Personalunion zwischen Hannover und Großbritannien. Mehr als 100 Jahre lang waren die Herrscher von Hannover zugleich Könige von England. Doch dann wird dort Victoria zur Königin, während die Hannoveraner nach ihrem Erbfolgerecht keine Frau akzeptieren wollen und stattdessen Ernst August auf den Thron setzen.
Kurz nach seinem Amtsantritt hebt er das relativ freiheitliche Staatsgrundgesetz auf, das sein Vorgänger 1833 erlassen hatte. Sieben Professoren von der Universität Göttingen protestieren dagegen, unter ihnen auch die Gebrüder Grimm. Ernst August entlässt sie kurzerhand und verweist drei von ihnen sogar des Landes. In der Nähe des Niedersächsischen Landtags steht in Hannover heute ein Denkmal, das an den Protest der „Göttinger Sieben“ erinnert.
Auf Ernst August I. folgt einige Jahre später Georg V. als letzter König von Hannover. Er muss ins Exil nach Österreich fliehen, als Hannover im Deutschen Krieg 1866 Preußen unterliegt. Das Königreich wird annektiert – Burgdorf gehört fortan zur preußischen Provinz Hannover. Auf lokaler Ebene hatte es bereits 1852 eine wichtige Änderung für Burgdorf gegeben: Mit einem neuen Ortsstatut löste sich die Stadt aus der Zuständigkeit des Amtes Burgdorf und erhielt eine eigenständige kommunale Verwaltung.
Viele Burgdorfer Männer werden eingezogen
Mit der Reichsgründung 1871 beginnt eine neue Epoche, die von Nationalismus und wachsenden Spannungen zwischen den europäischen Großmächten geprägt ist und 1914 im Ersten Weltkrieg mündet. Auch in Burgdorf verändert die nun folgende Mobilmachung das Leben schlagartig – viele Männer werden eingezogen, wirtschaftliche Not macht sich breit.
Die Ausstellung erinnert zudem an Burgdorfer, die über die Stadt hinaus bekannt wurden: an Heinrich Breling, der später als Hofmaler in München arbeitet, an Carl von Brandis, der als Offizier nach Südafrika geht und an der frühen Entwicklung Johannesburgs mitwirkt, sowie an den Agrarwissenschaftler Carl Sprengel aus Schillerslage. Besonders geprägt hat die Stadt aber Bürgermeister Heinrich Schuster, der von 1889 bis 1926 amtiert und mit seinem Einsatz den Weg von der Ackerbürgerstadt zur modernen Kreisstadt bereitet.