Do, 20. Aug. 2026
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Sonstige News
50 Jahre Amnesty in Burgdorf: Ortsgruppe setzt sich seit ihrer Gründung 1976 für Menschenrechte weltweit ein / Jubiläumsfest am 29. August
Briefe schreiben, Stände aufbauen, Unterschriften sammeln – seit 50 Jahren setzen sich Menschen aus Burgdorf und Umgebung für politische Gefangene auf der ganzen Welt ein. Die Amnesty-Ortsgruppe Hannover Nordost feiert ihr Jubiläum am Sonnabend, 29. August, mit einem großen Fest auf dem Spittaplatz in Burgdorf. Von 14.30 bis 18.30 Uhr sind alle eingeladen.
Slam-Poet Tobias Kunze führt durch das Programm und präsentiert eigene Texte, das Burgdorfer Orchester „Spielfreu(n)de Pur!“ sorgt für Musik. Grußworte sprechen unter anderem Bürgermeister Armin Pollehn und Wegbegleiter der Gruppe. Die Künstlerinnengruppe Sofia’s Time steuert einen kreativen Beitrag bei, der Arbeitskreis Gedenkweg 9. November lädt zu einem Stolpersteinrundgang ein.
An Infoständen vertreten sind das Burgdorfer Mehrgenerationenhaus, die Omas gegen Rechts Burgdorf, die Mondscheinkirche der evangelisch-lutherischen St.-Paulus-Gemeinde, der Algam Soziokultureller Verein Niedersachsen, das Antikriegshaus Sievershausen, der Burgdorfer Seniorenrat sowie die Ausstellung „Siehe, ein Mensch!“ aus der Wedemark. Für Kinder gibt es Bastelangebote, eine Buttonmaschine und eine Hüpfburg. Bei starkem Regen weicht die Veranstaltung mit angepasstem Programm in die St.-Pankratius-Kirche aus. Essen und Trinken sind vor Ort erhältlich.
Für die Freilassung von politischen Gefangenen
Was die Gruppe in einem halben Jahrhundert bewegt hat, zeigt ein Blick in ihre Geschichte. Gegründet wurde sie 1976 von Otto Ludwig in Burgwedel – damals eine von wenigen Amnesty-Gruppen in der Region. Die Arbeit drehte sich zunächst ausschließlich um einzelne Schicksale politischer Gefangener, die jeweils von der Zentrale der Menschenrechtsorganisation in London zugeteilt wurden.
Um 1980 verlagerte sich der Schwerpunkt der Gruppe von Burgwedel nach Burgdorf, der Einzugsbereich wuchs. Unter Gruppenleiter Karsten Oppermann, einem Lehrer aus Lehrte, kam neben der Fallarbeit die Öffentlichkeitsarbeit hinzu: Stände, Benefizkonzerte, Projekte an Schulen. Ab 1987 weitete sich auch das Themenspektrum aus. Die Gruppe engagiert sich seitdem auch gegen die Todesstrafe, Folter, Gewalt gegen Frauen und die Rekrutierung von Kindersoldaten.
„Ihre Hilfe hat uns über Wasser gehalten“
„In besonderer Erinnerung geblieben ist mir der russische Ingenieur Vladimir Rozhdestvov“, erinnert sich Ingrid Henze, die seit 1985 Mitglied der Ortsgruppe ist und von 1987 bis 1991 auch die Gruppenleitung übernahm. Rozhdestvov wurde in den 1970er Jahren in eine psychiatrische Klinik eingewiesen wegen der Herausgabe einer Broschüre gegen das Sowjetsystem. „Acht Jahre lang haben wir in Zusammenarbeit mit einer schwedischen Gruppe Briefe geschrieben“, sagt Henze. 1987 sei dann die erlösende Meldung gekommen: Rozhdestvov war frei! „Wir erfuhren, dass einige Briefe ihn tatsächlich erreicht und mit Zuversicht erfüllt hatten“, so Henze.
Als sie 1991 nach Dedenhausen umzog, gab sie die Gruppenleitung an Freda Schulz ab, 1995 folgte Martin Behling – mit 21 Jahren der bisher jüngste Gruppensprecher. Henze engagierte sich in zweiter Reihe weiter und hält der Gruppe bis heute die Treue. Ein weiterer Fall, der einen tiefen Eindruck bei ihr hinterlassen hat, war der des Äthiopiers Worku Mulata, der 1997 verhaftet, in Einzelhaft festgehalten und gefoltert wurde. Nach seiner Entlassung 2001 schrieb seine Frau an die Gruppe: „Ihre Hilfe hat uns über Wasser gehalten und unsere Moral gestärkt.“
Pfad der Menschenrechte als sichtbares Zeichen
Von 1999 bis 2006 leitete die Journalistin und Buchautorin Marlis Schobben-König aus Neuwarmbüchen die Amnesty-Gruppe Hannover-Nordost. Nach ihrem Tod wurde 2007 Erika Büchse aus Burgdorf neue Gruppensprecherin und setzte die Arbeit mit großem Engagement fort. Auch nachdem sie das Amt 2020 offiziell abgegeben hatte, brachte sich Büchse weiterhin aktiv ein, bis die mittlerweile 88-Jährige im März dieses Jahres Burgdorf verließ, um zu ihrer Tochter zu ziehen. Für ihren ehrenamtlichen Einsatz wurde sie mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet.
Zum 30. Geburtstag der Amnesty-Ortsgruppe wurde ein sichtbares Zeichen gesetzt: Der Verbindungsweg zwischen Neuwarmbüchen und der Gartenstadt Lohne wurde zum „Pfad der Menschenrechte“ – gesäumt von Findlingen mit Artikeln der Menschenrechtserklärung. Sogar der damalige UN-Generalsekretär Kofi Annan würdigte das Projekt schriftlich. Seit 2020 leiten André Ohnhold und Tessa Spethmann die Gruppe als Doppelspitze. Heute umfasst ihr Einzugsgebiet Burgdorf, Burgwedel, Lehrte, Sehnde, Isernhagen, Uetze und die Wedemark.